20. Sonntag im Jahreskreis - C

18. August 2013

Evangelium nach Lukas (12,49-53)

Gedanken zum Evangelium

Welche Wirkung hat der christliche Glaube in unserem persönlichen Leben? Was bewirkt dieser Glaube? Glaube ist doch eine Kraft, die uns und unsere Umgebung prägt und beeinflusst. Glaube ist doch eine kraftvolle Energie, oder – wie Jesus es sagt – ein „brennendes Feuer“, das uns selbst verwandelt und auf unsere Umgebung ausstrahlt. Haben Sie diese Erfahrung schon gemacht?

Der dänische Religionsphilosoph Sören Kierkegaard (1813–1855) hat gesagt: „Es gibt zwei Arten von Christen: den Nachfolger Jesu und die billigere Ausgabe davon, den Bewunderer Jesu.“ Jesus will nicht bewundert werden, sondern ruft in die Entscheidung für ihn. Solange wir Jesus nur bewundern als einen ganz besonderen Menschen, hat das für unser Leben nur wenig Bedeutung. Da halten wir eine sichere Distanz zu ihm. Dort aber, wo wir uns seine Sichtweise auf Gott und Mensch aneignen und in Taten umsetzen, haben wir uns von ihm verwandeln lassen. Dort ändert sich unser Leben immer wieder. Ein Feuer brennt dann in uns. Denken wir an die zwei Emmausjünger die nachher sagten: „Brannte nicht unser Herz als er mit uns sprach?“ Brennt unser Herz, wenn wir die Worte von Jesus hören?

In vielen Ländern unserer Welt ist es gefährlich, wenn in Christen das Feuer des Glaubens brennt. Unsere Medien und unsere Gesellschaft reden nicht darüber, aber es ist eine Tatsache: In unserer Welt sind Christen heutzutage die am meisten verfolgten Menschen: In Nordkorea, Iran, Saudi-Arabien, auf den Malediven (wohin die Europäer so gerne in Urlaub fahren) kann man als Christ nicht den Beruf eines Lehrers ausüben oder Staatsangestellter werden. Man muss da dauernd mit einer Verhaftung rechnen. In ganz Nord-Afrika (Ägypten, Irak, Syrien) verlassen Christen das Land, werden umgebracht, ihre Kirchen werden angezündet. Hier ruft der christliche Glaube Spannungen und Konflikte hervor. Hier geschieht tatsächlich, was Jesus sagt: Nicht Frieden, sondern Spaltungen.

Das Gleiche geschah hier bei uns in Europa bis zur großen Wende in den Ostblockstaaten (1989), wo der christliche Glaube verpönt war und verfolgt wurde.

Im sogenannten freien Europa gibt es keine Christenverfolgungen mehr. Aber es gibt einen Druck der öffentlichen Meinung, den wir überall in unserer Umgebung, ja sogar in der eigenen Familie spüren können. „Was? Du gehst noch in die Kirche?“ Man wird als rückständig und naiv betrachtet. Deswegen halten sich viele Christen mit ihrer Meinung zurück, halten sich still, gehen Konflikten aus dem Weg, passen sich an, schließen einen faulen Frieden. („Man muss ja mit seiner Zeit mitgehen“). Jesus ist keinen Kuschelkurs gefahren. Er hat Werte vertreten, wurde derentwegen angefeindet. Er spricht von Feuer, das er auf die Erde werfen wolle, von Zwietracht und Spaltung bis in die vertraulichsten menschlichen Beziehungen hinein, bis in die Familien. Jesus möchte offensichtlich nicht, dass wir nur nach einer bloßen „Seid nett zueinander!“-Parole leben. Er lässt keine faulen Kompromisse zu, aus Angst, es uns mit jemandem zu verderben.

Wir können uns nicht so anpassen, dass man von unser christlichen Überzeugung gar nichts mehr merkt. Wir unterscheiden uns oft als Christen nicht mehr von Nicht-Christen. Man merkt in unserer Lebensweise keinen Unterschied mehr. Aber dadurch gewinnen wir niemand, im Gegenteil, wir werden überflüssig. Wer sich für Jesus Christus entschieden hat, soll es bitte ganz tun, soll zu ihm wirklich Ja sagen, seine Werte in unserer Gesellschaft offen vertreten. Nur ein bisschen glauben geht nicht.

Jesus stellt uns vor die Entscheidung für ihn und seine seine Reich-Gottes-Vision. Diese Entscheidung kann gelegentlich sehr konkret werden und tatsächlich einen Riss in unsere familiären Beziehungen bringen, weil sie keine Halbheiten oder Lauheit duldet. Man kann den Glauben tatsächlich als unangenehme Störung unseres Lebens empfinden. Aber das versteht nur, wer von seinem christlichen Glauben überzeugt und durchdrungen ist, wer darum weiß, wie wertvoll das eigene Glaubenszeugnis ist, wessen Herz brennt.

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